ANSTOSS DEMOKRATIE

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Sechs Entwicklungsprozesse zur Erprobung ausgewählt

Deutschland, Österreich und die Schweiz (D-A-CH) sehen sich mit ähnlichen Herausforderungen an ihre demokratische Kultur konfrontiert. Zwischen Juli und September 2021 haben Organisationen aus dem D-A-CH-Raum Lösungsperspektiven für einen Teil dieser Herausforderungen basierend auf den vier Fokusthemen erarbeitet. Von neun Entwicklungsprozessen wurden nun sechs von einer Jury für die Erprobungsphase bis April 2022 ausgewählt.

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Warum gibt es diese Initiative?

In den westlichen Demokratien erodiert die demokratische Kultur in erheblichem Ausmaß: Hassrede auf digitalen Plattformen kann zu Gewalt und Hetze in der analogen Welt führen, populistische Ideen dringen bis in die Mitte der Gesellschaft und politische VerantwortungsträgerInnen erfahren einen zunehmenden Vertrauensverlust. Dies bedroht den Zusammenhalt unserer offenen Gesellschaft. Obgleich die genannten Phänomene vor allem auf lokaler und nationaler Ebene spürbar sind, weisen ihre Ursachen auch eine internationale Dimension auf: Fake News und Wahlbeeinflussung aus ausländischen Quellen nehmen zu. Hetzkampagnen gegen JournalistInnen werden international befeuert. Populistische und extremistische AkteurInnen agieren zunehmend über Grenzen hinweg vernetzt und koordiniert – insbesondere in gemeinsamen Sprachräumen. Demgegenüber greifen nationale Lösungsansätze – auch auf Gesetzesebene – vielfach zu kurz. AkteurInnen und Organisationen, die sich für die Stärkung demokratischer Kultur einsetzen, agieren zu selten abgestimmt und zu oft bezogen auf ihre jeweiligen Teilöffentlichkeiten. Es besteht zudem Innovationsbedarf für das bisherige Repertoire der Demokratie- und Teilhabearbeit.

Welches Ziel verfolgt die Initiative?

ANSTOSS DEMOKRATIE hat zum Ziel, einen dezentralen Hub von und für AkteurInnen aus Politik, Zivilgesellschaft, Medien, Wirtschaft und Wissenschaft in der D-A-CH-Region, also in Deutschland, Österreich und der Schweiz, aufzubauen. Dieser Hub soll die strategische Vernetzung der AkteurInnen stärken, kollektives Wirken befördern und als Ressource für die Arbeit zur Stärkung der demokratischen Kultur fungieren. Durch die Beteiligung möglichst vieler Interessenvertretungen einer vielfältigen und offenen Gesellschaft soll ein Beitrag zur Zusammenarbeit über Sektoren hinweg und damit zu koordiniertem Handeln entstehen. Der Hub richtet sich somit nicht unmittelbar an Bürgerinnen und Bürger, sondern an Initiativen und Organisationen, die in ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Wirkungsbereich als MultiplikatorInnen agieren. Diese AkteurInnen sollen durch den Hub gestärkt werden, indem er die Schaffung und Nutzung von Synergien unterstützt.

Wie soll dieses Ziel erreicht werden?

Die oben skizzierten Entwicklungen sind in ganz Europa und auch darüber hinaus zu beobachten. Die Initiative beschränkt sich jedoch zunächst auf die D-A-CH-Region. So können grenzüberschreitende Ansätze erprobt, gleichzeitig aber die Vorteile einer gemeinsamen Sprache und vergleichsweise ähnlicher politischer und gesellschaftlicher Verhältnisse genutzt werden. Um diese Erprobung möglichst erfolgreich zu gestalten, muss der Prozess gut vorbereitet sein. Der Hub soll vor allem aus den Erfahrungen einer trinationalen Praxis heraus entstehen. Daher ist dem offiziellen Start des Hubs eine etwa zweijährige, ko-kreative Vorbereitungs- oder „Inkubationsphase“ vorgeschaltet. Sie soll sicherstellen, dass der Hub bedarfs- und wirkungsorientiert gestaltet wird. Diese Inkubationsphase begann im Februar 2021. In Vorlauftreffen haben Mitwirkende aus den Medien, der Wirtschaft, der Zivilgesellschaft, der öffentlichen Verwaltung, von Stiftungen und Verbänden der einzelnen Länder bereits Bedarfe der unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereiche ermittelt, um für alle drei Länder relevante Fokusthemen herauszuarbeiten.

Diese Themen sind:

Erwerb von Demokratiekompetenzen durch wenig erreichte Zielgruppen
Effekte des technologischen Wandels auf demokratische Kultur
Stärkung von Demokratie auf kommunaler Ebene
Praxisnahe Forschung und Daten für AkteurInnen aus Politik und Zivilgesellschaft

Zwischen Juli 2021 und April 2022 sind Organisationen eingeladen, selbst gewählten Herausforderungen im Rahmen der Fokusthemen trinational und transsektoral nachzugehen und erste Lösungsperspektiven zu erarbeiten. Ausgehend von den dabei gewonnenen Erkenntnissen entwickeln die beteiligten AkteurInnen gemeinsam die Funktionen und Arbeitsweisen des Hubs. Auf Basis dessen werden in einem Ausschreibungsverfahren Trägerorganisationen ermittelt, die künftig die Arbeit des Hubs koordinieren. Er soll im ersten Quartal 2023 offiziell starten.

Die obige Prozess-Skizze entspricht dem derzeitigen Planungsstand. Es ist Teil des Ansatzes, gegebenenfalls flexibel auf neue Entwicklungen von inner- und außerhalb der Inkubationsphase reagieren zu können und Pläne zielorientiert anzupassen.

Wer kann sich beteiligen?

Die Initiative richtet sich an Organisationen aller gesellschaftlichen Bereiche (Zivilgesellschaft, Öffentliche Verwaltung, Medien, Wirtschaft, Stiftungen, Verbände etc.), die sich im Rahmen der obig skizzierten Fokusthemen engagieren und in ihrem Wirkungsfeld Bezugspunkt für andere Organisationen sind. Bestenfalls nehmen sie eine „Knotenpunkt“-Funktion in einem bestehenden Netzwerk wahr oder haben das Potenzial, in eine solche MultiplikatorInnenrolle hineinzuwachsen. Die Organisationen sind in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen tätig und arbeiten im Rahmen der Initiative transsektoral zusammen.

Bild: Sebastian Philipp
Bild: Matteo Vegetti

Kontakt

Die Inkubationsphase in der D-A-CH – Region wird dezentral koordiniert, wobei das iac Berlin die Gesamtkoordination übernimmt. Wir freuen uns, wenn Sie sich mit Ihren Anliegen und Ideen an die AnsprechpartnerInnen in den jeweiligen Ländern wenden.

Österreich

Europäisches Forum Alpbach Stiftung

Annamária Tóth annamaria...toth.@.alpbach...org
Katia Wissinger katia...wissinger.@.alpbach...org

Schweiz

Stiftung Mercator Schweiz

Martina Drosner m...drosner.@.stiftung-mercator.ch

Deutschland

International Alumni Center (iac Berlin)

Philine Seydel philine...seydel.@.iac-berlin.org
Vinzenz Himmighofen vinzenz@.#himmighofen"@-iac-berlin.org

Botschafter für die Inkubationsphase

Winfried Kneip winfried...kneip.@.iac-berlin.org

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein “Hub”?

Hub bezeichnet hier einen Raum im übertragenen Sinn, der AkteurInnen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen dazu einlädt, sich zu vernetzen, sich strategisch abzustimmen und gemeinsam zu agieren. Die Inkubationsphase dient dazu herauszufinden, welche Eigenschaften der Hub haben muss, um diesen Zweck zu erfüllen. Der Hub ist also kein neuer Akteur, sondern eine Art Plattform, die die Entstehung und Nutzung von Synergien zwischen bestehenden Netzwerken und Akteuren begünstigt.

Was heißt ko-kreativ und warum ist Ko-Kreation wichtig?

Ko-kreativ bedeutet in der Inkubationsphase, dass ihr Ergebnis von den an ihr beteiligten AkteurInnen und Organisationen gemeinschaftlich entwickelt wird. Die InitiatorInnen (und FinanziererInnen) geben lediglich einen Prozess vor. Denn der Hub entfaltet langfristig nur dann Wirkung, wenn er aus einer intrinsischen Motivation bestehender Organisationen und AkteurInnen heraus gestaltet und genutzt wird.

Warum gibt es eine dezentrale Koordination?

Nicht zuletzt durch die Vorlauftreffen zwischen Februar und April 2021 wurde deutlich, dass auch wenn es gemeinsame Anliegen in Deutschland, Österreich und der Schweiz bezüglich der Stärkung demokratischer Kultur gibt, die Voraussetzungen dafür national sehr unterschiedlich ausfallen. Das ist ein Grund dafür, die Koordination der Inkubationsphase dezentral zu halten (siehe Kontakt). Ein weiterer Grund ist die Annahme, dass ein späterer Hub in jedem der drei Länder verankert sein muss, um mit national jeweils unterschiedlichen Diskursen und Kontexten verbunden zu bleiben.

Ist die Inkubationsphase wirklich ergebnisoffen?

Ja. Die Inkubationsphase bleibt ein Experiment, auch wenn sie gut vorbereitet und in vielen Aspekten flexibel anpassbar ist.

Wie kann ich an der Inkubationsphase teilhaben?

Die direkteste Form der Teilhabe besteht im Mitmachen. Der Weg dorthin ist die Einreichung eines trinationalen Entwicklungsvorhabens bis zum 25. Juni. Im Verlauf der Inkubationsphase wird es zudem Möglichkeiten geben, mehr über Entwicklungen und Erkenntnisse aus dem Prozess zu erfahren. Um dazu informiert zu bleiben, lohnt sich das Abonnement des Newsletters.

Wie verortet sich die Initiative politisch?

ANSTOSS DEMOKRATIE ist überparteilich. Gleichwohl ist die Initiative den Werten einer offenen und vielfältigen Gesellschaft verpflichtet.

Die InitiatorInnen von ANSTOSS DEMOKRATIE

Die ERSTE Stiftung engagiert sich als österreichische Sparkassen-Privatstiftung für das Gemeinwohl. Eines ihrer strategischen Ziele ist es, ein demokratisches Europa zu bewahren. Dazu will sie Netzwerke mit den besten Köpfen mit politischen Entscheidungsträgern zusammenbringen, Qualitätsjournalismus für eine informierte Öffentlichkeit fördern und die Debatte über ein widerstandsfähiges, demokratisches, vereintes Europa mitgestalten.

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Die Europäisches Forum Alpbach Stiftung setzt sich für eine zukunftsfähige, demokratische Gesellschaft ein. Mit ihrem Stipendienprogramm ermöglicht sie jährlich hunderten jungen Menschen aus der ganzen Welt die Teilnahme am Europäischen Forum Alpbach, einer jährlich stattfindenden interdisziplinären Plattform für Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Kultur. Mit seinen Aktivitäten setzt das Europäische Forum Alpbach Impulse zur Weiterentwicklung des europäischen Integrationsprojekts und der Demokratie, so zum Beispiel mit der Initiative “Re:think Alliances – Forging unlikely connections for democratic culture”.

Weitere Informationen

Das iac Berlin ist ein von der Robert Bosch Stiftung gegründetes Kompetenzzentrum für wirkungsorientierte Netzwerkarbeit. Es berät Stiftungen und andere gemeinnützige Organisationen beim Netzwerkaufbau, vermittelt Wissen und initiiert neue Formen der Zusammenarbeit. Das iac Berlin koordiniert die Inkubationsphase von ANSTOSS DEMOKRATIE partnerschaftlich mit der Stiftung Mercator Schweiz und der Europäisches Forum Alpbach Stiftung.

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Die Robert Bosch Stiftung ist eine der großen unternehmensverbundenen Stiftungen in Europa. Mit ihrer Arbeit folgt sie seit über 50 Jahren dem Vermächtnis von Robert Bosch und setzt sein soziales und gesellschaftliches Engagement in zeitgemäßer Form fort.

Das Thema Demokratie der Robert Bosch Stiftung möchte Demokratie in Europa und Deutschland stärken. Die Stiftung fördert daher den Erwerb von Demokratiekompetenzen, die für eine konstruktive Debattenkultur sowie für politische und gesellschaftliche Teilhabe notwendig sind. Zudem stärkt sie innovative Beteiligungsformate als Ergänzung zur repräsentativen Demokratie, damit sich mehr Menschen als Gestalter politischer Prozesse wahrnehmen.

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Die Stiftung Mercator Schweiz setzt sich für eine offene, solidarische und ökologisch nachhaltige Gesellschaft ein, die allen Menschen gerechte Chancen und Möglichkeiten zur Mitgestaltung eröffnet. Dafür initiiert und fördert sie Projekte in den Bereichen Gesellschaft und Umwelt. Im Thema Demokratie tritt die Stiftung ein für zukunftsfähige Formen der Partizipation und Entscheidungsfindung. Sie engagiert sich für eine konstruktive, offene Debattenkultur sowie für neue Erzählungen von Demokratie und Gemeinsinn.

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Die Stiftung Mercator ist eine private, unabhängige Stiftung mit umfassender wissenschaftlicher Expertise und praktischer Projekterfahrung. Sie strebt mit ihrer Arbeit eine Gesellschaft an, die sich durch Weltoffenheit, Solidarität und Chancengleichheit auszeichnet. Um diese Ziele zu erreichen, fördert und entwickelt sie Projekte, die Chancen auf Teilhabe und den Zusammenhalt in einer diverser werdenden Gesellschaft verbessern. Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Europa will die Stiftung Mercator durch ihre Arbeit stärken, die Auswirkungen der Digitalisierung auf Demokratie und Gesellschaft thematisieren und den Klimaschutz vorantreiben. Die Stiftung Mercator engagiert sich in Deutschland, Europa und weltweit. Dem Ruhrgebiet, Heimat der Stifterfamilie und Stiftungssitz, fühlt sie sich besonders verbunden

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