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Sechs Entwicklungsprozesse zur Erprobung ausgewählt

Deutschland, Österreich und die Schweiz (D-A-CH) sehen sich mit ähnlichen Herausforderungen an ihre demokratische Kultur konfrontiert. Zwischen Juli und September 2021 haben Organisationen aus dem D-A-CH-Raum Lösungsperspektiven für einen Teil dieser Herausforderungen basierend auf den vier Fokusthemen erarbeitet. Von neun Entwicklungsprozessen wurden nun sechs von einer Jury für die Erprobungsphase bis April 2022 ausgewählt.

Die beteiligten Organisationen werden in diesem Zeitraum eine tragende Rolle in der weiteren Gestaltung von ANSTOSS DEMOKRATIE einnehmen und ihre Erfahrungen in der trinationalen Zusammenarbeit in die weitere Entwicklung eines Hubs einbringen.

Die Jury bestand aus:
– Annamaria Toth, Europäisches Forum Alpbach Stiftung (A)
– Karin Doppelbauer, Abgeordnete zum Nationalrat (A)
– Markus Lux, Robert Bosch Stiftung (D)
– Nathalie Klauser Stuebi, Stiftung Risiko-Dialog (CH)
– Nicola Forster, Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (CH)
– Dr. Susanne Ulrich, Centrum für angewandte Politikforschung (D)

Ausgewählte Prozesse

Fokusthema 1: Erwerb von Demokratiekompetenzen durch wenig erreichte Zielgruppen

voty.ch (CH) und aula.de (D): „Demokratie in der Schule erlebbar machen“

 

Die Partizipationsplattformen für Jugendliche aula.de und voty.ch möchten aus den bestehenden Erfahrungen mit ihren Plattformen gemeinsam ein umfassendes Angebot für politische Bildung und Partizipation im D-A-CH-Raum entwickeln. Das langfristige Ziel ist die Entwicklung einer kostenlosen, freien Plattform, um Schulen und Lehrpersonen zu befähigen, die Themen der politischen Bildung und Partizipation fest im Schulalltag zu verankern. Bis April 2022 wird das Vorhaben mit einer Pilotschule in der Schweiz getestet.

Stiftung Dialog/Campus für Demokratie (CH), Demokrative (CH) und Demokratiezentrum Wien (A): „Peer-Prozesse Demokratie-Kompetenzen“

 

Das Projekt zielt auf die Stärkung von Kompetenzvermittlung in Praxisprojekten. Bis April 2022 wird beispielhaft der Referenzrahmen des Europarats für Kompetenzen für eine demokratische Kultur (RFCDC) im DACH-Raum als Arbeitsinstrument ausprobiert, zur Diskussion gestellt und zur Stärkung der Kompetenzvermittlung in Praxisprojekten nutzbar gemacht. Das Projekt initiiert dazu Peer Prozesse, geht so von den Bedürfnissen, Fragen und Zielen der PraktikerInnen aus und bietet ein Format, um über die Kompetenzorientierung in Austausch zu kommen, diese zu reflektieren und zu stärken.

Bundesforum Männer (D), Dachverband Männerarbeit Österreich (A), männer.ch (CH), #NetzCourage (CH) und Fachstelle info’mann (LU): „Männlichkeitsforschung, Radikalisierungsprävention und Demokratieförderung verbinden“

 

Der Prozess verfolgt zwei Anliegen: Er möchte verstehen, weshalb Männer in antidemokratischen Gruppierungen übervertreten sind. Und er möchte klären. welche Potenziale geschlechterreflektierte Arbeit mit Jungen und Männern in Radikalisierungsprävention und Demokratieförderung hat. Nach der Erhebung der fachlichen Grundlagen zur Thematik in der Entwicklungsphase, liegt der Schwerpunkt bis April 2022 darauf, den Bestand von Interventions- und Präventionsprojekten im Feld D-A-CH-weit aufzunehmen, sowie einen interinstitutionellen Dialog zur Thematik zu lancieren.




Fokusthema 2: Effekte des technologischen Wandels auf demokratische Kultur

streitgut (D): „Innovative Formate für demokratische Debatten in Sozialen Medien“

 

streitgut möchte innovative Diskussionsformate für die Sozialen Medien entwickeln und produzieren, die auf jüngste Erkenntnisse in der Depolarisierungsforschung aufbauen. So sollen für eine konstruktive Art, über gesellschaftliche Streitfragen zu sprechen, geworben und junge, teils diskursferne Menschen erreicht werden. Durch wissenschaftliche Evaluation werden diejenigen Formate identifiziert, die den stärksten positiven Effekt auf Zuschauende haben, z. B. affektive Polarisierung reduzieren oder die Zuschauenden für neue Themen und Meinungen begeistern. In der Entwicklungsphase wurden verschiedene Pilotformate entwickelt und getestet. Anfang 2022 möchte streigut das Projekt über eine Social-Media-Kampagne starten, die bis dahin vorbereitet wird.

Mimikama (A), alliance F (CH) und codetekt (D): „Easy Counter – Hate & Fake gemeinsam bekämpfen“

 

Das Vorhaben will Demokratie im digitalen Raum stärken, indem BürgerInnen zur Teilnahme an Online-Diskursen ermutigt und ihnen durch die Erstellung von sogenanntem „Counter Content“ die Mittel angeboten werden, dort gegen Hassrede und Falschinformation vorzugehen. Counter Content besteht einerseits aus Informationen zu den Themengebieten und andererseits aus konkreten Inhalten wie Anleitungen, Textbausteinen und Sharepics. Diese Inhalte können genutzt werden, um auf Social Media möglichst schnell und niedrigschwellig auf Hassrede und Falschinformation zu reagieren. Bis April 2022 soll tagesaktueller sowie zeitloser Counter Content erstellt werden, eine Homepage mit Informationen darüber aufgebaut sowie eine Facebook Community für Counter Content im D-A-CH-Raum initiiert werden.


Fokusthema 4: Praxisnahe Forschung und Daten für AkteurInnen aus Politik und Zivilgesellschaft

Internationale Bodensee-Hochschule (CH): „Hub zur Förderung der Ambiguitätstoleranz“

 

Ziel des Prozesses ist es, polarisierte Konfliktfelder in demokratischen Debatten wieder zu öffnen und verhandelbar machen.  In einem Hub soll Ambiguitätstoleranz jenseits von klassischen Bildungskontexten genau an den Stellen gefördert und erlernt werden, an denen die Konflikte konkret zum Tragen kommen. Dialogprozesse in unterschiedlichen gesellschaftlichen Zusammenhängen und zu unterschiedlichen Themen werden sowohl mit wissenschaftlicher Fach- und Prozessexpertise erstellt und begleitet. Bis Ende April 2022 sollen eine Konzeption für eine praktische Umsetzung sowie die konkrete Ausgestaltung und Funktion eines Hubs für Ambiguitätstoleranz als Beratungs- und Förderreinrichtung erfolgen.

 

 

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